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Veröffentlicht: 21:04, 10. Sep. 2019 (CEST)
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Im Auge des Hurrikans, am 30. August

Nassau (Bahamas) / Miami (Vereinigte Staaten) / Halifax (Kanada), 10.09.2019 – Hurrikan Dorian ist inzwischen nach Nordosten über die kanadische Provinz Nova Scotia hinweggefegt und hat dort mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Kilometern pro Stunde für weitreichende Stromausfälle gesorgt. Mehr als 330.000 Haushalte waren ohne elektrischen Strom. Unterdessen wird das Ausmaß der Katastrophe auf den Bahamas, wo der Hurrikan vor einer Woche für Verwüstungen sorgte, immer deutlicher.

In Mash Harboor auf Abcaco Island wurde durch die Sturmflut der Flughafen überflutet. (Aufnahme vom 2. September)
Foto: U.S. Coast Guard District 7 PADET Jacksonville

Bewohner der Abacoinseln, die mit einem Kreuzfahrtschiff nach Palm Beach in Florida transportiert wurden, sagten, dass auf den Straßen und am Hafen von Abaco Island Leichen lägen. Nach jüngsten Angaben des Gesundheitsministers des Inselstaates, Duane Sans, kamen mindestens 43 Menschen um, doch werde die endgültige Zahl der Opfer „überwältigend“ sein, weil Hunderte oder sogar Tausende von Bewohnern noch vermisst würden. Viele Tausend seien obdachlos.

Wie nach Florida gelangte Augenzeugen berichteten, gebe es einen Mangel an Trinkwasser und Lebensmittel, das Stromnetz sei zusammengebrochen und Tankstellen funktionierten nicht. Außerdem stünden viele Straßen unter Wasser. Abaco Island sei zu 60 Prozent verwüstet. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 70.000 der insgesamt rund 390.000 Bewohner der Bahamas auf Hilfe von außen angewiesen. Der Flughafen Freeport auf Grand Bahama steht unter Wasser, sodass Hilfstransporte bislang nur mit Hubschraubern möglich sind.

Besatzungsmitglieder des Kutters Raymond Evans der US-Küstenwache laden in Nassau Kisten mit Versorgungsgütern ab.
Foto: U.S. Coast Guard/Jonathan Lally

Inzwischen sind Hilfsmaßnahmen für die Bahamas angelaufen. Die US-Küstenwache fliegt bereits mit mehr als zehn Hubschraubern Rettungseinsätze. Auch die britische Marine ist im Einsatz. Deutschland und die Niederlande schicken von den Antillen aus das niederländische Docklandungsschiff „Johan de Witt“, auf dem sich auch 70 Bundeswehrsoldaten befinden, das sich zum Zwecke gemeinsamer Übungen in der Karibik aufhielt. Das Schiff werde derzeit vor der Karibikinsel St. Martin beladen und am Montag in Richtung Bahamas auslaufen. Die Vereinigten Staaten und Jamaika entsandten außerdem Soldaten, um zu helfen und gegen mögliche Plünderungen vorzugehen.

Unter denen, die den Hurrikan glimpflich überstanden haben, sind auch der britische James-Bond-Darsteller Sean Connery und dessen Frau Micheline Roquebrune. Sie hatten sich mit Unterstützung von Personal in ihrem Haus auf New Providence Island verbarrikadiert. Das seit 1975 verheiratete Ehepaar besitzt seit über zwei Jahrzehnten ein Anwesen in Lyford Cay, wo Connery am 25. August auch seinen 89. Geburtstag feierte. „Wir waren auf den Sturm vorbereitet, alles war im Voraus fertig – wir sind kein Risiko eingegangen und wussten, was zu tun war“, sagte Connery der „Daily Mail“. „Wir hatten Glück im Vergleich zu vielen anderen, und der Schaden hier war nicht groß.“ Andere Bewohner der Bahamas hatten weniger Glück. „Es gibt keine Tankstellen mehr, keine Lebensmittelläden, mein Haus ist größtenteils zerstört, und ich habe meinen Job verloren“, klagte Melanie Lowe aus Marsh Harbour. Sie harrte mit 16 Menschen fünf Tage in einer kleinen Wohnung aus, bevor sie am Freitag (6. September) nach Nassau evakuiert wurde.

Wie hier der Hafen von Man-o-war Cay sind iele Häfen der Bahamas nicht benutzbar.
Foto: U.S. Coast Guard/Brandon Murray

Der Hurrikan war Anfang letzter Woche über mehr als zwei Tage hinweg langsam über die Bahamas gezogen, bevor er weiter in Richtung amerikanischer Ostküste wanderte und sich dabei zunächst nordwärts und schließlich nach Nordosten verlagerte. Florida und Georgia blieben weitgehend verschont, da der Hurrikan rechtzeitig vor dem Erreichen der Küste abdrehte und sich vorübergehend abschwächte. Die Gesamtschäden des Hurrikans dürften deswegen geringer ausfallen, als zunächst angenommen. Die UBS Group geht nach ihren Angaben von bis zu zehn Milliarden US-Dollar versicherter Schäden aus. In der Nacht zum Donnerstag (5. September) hatte sich der Hurrikan über dem warmen Wasser des Golfstroms nochmals von der Kategorie 3 in die Kategorie 5 verstärkt.

Allerdings kam es infolge der kombinierten Wirkung von Sturmflut und Wellengang verbreitet zu Überschwemmungen und Küstenerosion. In Charleston, South Carolina, wurde die Innenstadt überschwemmt. Die Ausläufer des Wirbelsturms sorgten nach Angaben des Nachrichtensenders CNN in den beiden Bundesstaaten South und North Carolina für Stromausfälle, von denen 200.000 Einwohner betroffen waren.

Am Freitag dann war Hurrikan Dorian über die Outer Banks, eine Kette vorgelagerter Nehrungsinseln gezogen. „Bedeutende Sorge“ bestehe vor allem um Hunderte von Bewohnern auf Ocracoke Island, die dort festsitzen, nachdem sie sich offenbar der angeordneten Evakuierung widersetzt hatten. Das Auge des zwischenzeitlich in die Kategorie 1 abgestuften Hurrikans war nach Angaben des National Hurricane Centers am Freitag, 6. September, um 14:35 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit mit andauernden einminütigen Windgeschwindigkeiten von 150 Kilometern pro Stunde und einem minimalen zentralen Luftdruck von 956 mbar bei Cape Hatteras auf Land gestoßen. Vereinzelt kam es zu Tornados, die zahlreiche Häuser zerstörten.

Bislang gibt es nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters keine Berichte über Personenschäden in Kanada, doch sind verbreitet Häuser durch umgestürzte Bäume beschädigt worden. Mindestens ein Dach flog davon, und ein Kran stürzte um.

Nach Angaben auf der Website von Nova Scotia Power haben umgestürzte Bäume Stromleitungen unterbrochen, sodass vielerorts er Strom ausfiel. Aufgrund noch hoher Windgeschwindigkeiten könne noch nicht mit den Reparaturen begonnen werden.



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