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Straße von Hormus: Iran setzt Tanker fest

Veröffentlicht: 20:20, 23. Jul. 2019 (CEST)
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Logo der Reederei Stena Bulk

London (Vereinigtes Königreich) / Teheran (Iran) / Washington D.C. (Vereinigte Staaten), 23.07.2019 – Iran hat bekanntgegeben, den unter britischer Flagge fahrenden Tanker „Stena Impero“ festgesetzt zu haben. Nach einer Verlautbarung der Iranischen Revolutionsgarden im staatlichen iranischen Fernsehsender Press TV sei der Tanker von der Marine festgesetzt worden, weil er „internationale Bestimmungen verletzt“ habe. Die Meldung wurde von amerikanischen Stellen bestätigt. Die „Stena Impero“ war auf dem Weg vom Hafen Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten zur saudi-arabischen Hafenstadt Al-Dschubail, meldete die halbstaatliche Nachrichtenagentur Fars. Das Schiff habe in der Straße von Hormus „die eingespielten Prozeduren missachtet, die von allen einfahrenden Schiffen die Nutzung der nördlichen Passage verlangen“, hieß es von Fars. Das Schiff werde nun in iranische Küstengewässer eskortiert, wo weitere Ermittlungen stattfinden würden.

Amerikanischen Angaben zufolge soll auch ein zweiter Tanker gestoppt worden sein. Bei diesem Schiff handele es sich um die unter der Flagge Liberias fahrende „Mesdar“. Iranische Militärangehörige bestreiten jedoch die Beschlagnahmung der „Mesdar“. Das Schiff sei „kurz gestoppt und von iranischen Behörden über die Sicherheit auf See und gefahrlose Navigation informiert“ worden, hieß es in Press TV. Der Betreiber der Mesdar, das britische Unternehmen Norbulk Shipping UK, hat hat die Weiterfahrt des Schiffes bestätigt. Die Crew sei in Sicherheit. Nach Trackingdaten auf Marinetraffic.com[1] bewegt sich das Schiff in westlicher Richtung in den Persischen Golf hinein.

Die „Stena Impero“ gehört der schwedischen Reederei Stena Bulk und wird von Northern Marine Management betrieben. An Bord sind 23 Seeleute: Inder, Russen, Letten und Philippiner. Nach Angaben von Stena Bulk näherten sich gegen 16:00 Uhr Ortszeit unidentifizierte Schnellboote und ein Hubschrauber der Stena Impero, während sich das Schiff „in internationalen Gewässern“ befunden habe. Nach 22:00 Uhr abends Ortszeit habe sich das Schiff „nicht mehr unter der Kontrolle seiner Crew“ befunden.

Der britische Außenminister Jeremy Hunt, der derzeit gegen seinen Amtsvorgänger Boris Johnson für die Nachfolge von Premierministerin Theresa May kandidiert, sagte, er sei „äußerst besorgt“. Es seien allerdings keine Briten an Bord der beiden Schiffe. Er nannte den Zwischenfall inakzeptabel. Der britische Botschafter in Teheran sei in Kontakt mit dem iranischen Außenministerium. Wie Reuters berichtete, werde es „ernste Konsequenzen“ geben, wenn die Situation nicht geklärt werde. „Wir suchen nicht nach militärischen Optionen, wir suchen nach einem diplomatischen Weg, die Situation zu klären“, betonte Hunt. Er sagte, es sei „entscheidend, dass die Freiheit der Seefahrt gewahrt bleibt und alle Schiffe sich sicher und frei in der Region bewegen können“.

Außenminister Hunt äußerte am Samstagnachmittag seine „tiefe Enttäuschung“ über den Verlauf eines Telefonats mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammed Dschawad Sarif. Auf Twitter schrieb Hunt, der Iran betreibe keine Deeskalierung und bekräftigte: „Die britische Schifffahrt muss und wird geschützt werden.“ Nach einer Sitzung des britischen Nationalen Sicherheitsrates (Cobra) teilte ein Sprecher der britischen Regierung mit, dass britischen Schiffen empfohlen werde, vorerst das Befahren der Straße von Hormus und der angrenzenden Gewässer zu vermeiden.

US-Präsident Donald Trump sagte, sein Land werde mit den Briten zusammenarbeiten. Der Vorfall bestätige seine Warnungen vor dem Iran als berechtigt. „Dies wird nur beweisen, was ich über Iran sage. Probleme. Nichts als Probleme“, sagte Trump.

Am Donnerstag, 18. Juli, hat die Besatzung des Amphibienschiffes USS-Boxer nach Angaben von US-Präsident Donald Trump eine iranische Drohne abgeschossen, welche „die Sicherheit des Schiffes und der Schiffsbesatzung gefährdete“. Iran bestreitet den Abschuss einer seiner Drohnen. In der Woche zuvor habe es außerdem bereits den misslungenen Versuch iranischer Schnellboote gegeben, die Einfahrt eines britischen Öltankschiffes in den Persischen Golf zu unterbinden. Dies berichtete CNN unter Berufung auf zwei amerikanische Regierungsbeamte. Iran hat den Vorfall dementiert.

Bereits seit Anfang Juli halten die britischen Behörden in Gibraltar einen iranischen Öltanker fest, der gegen Sanktionen der Europäischen Union gegen Syrien verstoßen haben soll. Wegen dieser Beschlagnahmung hatte das iranische Außenministerium mehrfach den britischen Botschafter einbestellt. Erst am 16. Juli (Dienstag) hatte Iran der britischen Regierung gedroht, die Beschlagnahmung werde Folgen haben.



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QuellenBearbeiten