Tod von Johannes Rau: Trauer und Bestürzung in Deutschland und der Welt

Artikelstatus: Fertig 19:00, 28. Jan. 2006 (CET)
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Berlin (Deutschland), 28.01.2006 – Der am Freitag gemeldete Tod von Deutschlands früherem Bundespräsidenten Johannes Rau hat in der ganzen Welt zu Trauer und Beileidsbekundungen geführt. In Deutschland haben Bürger die Möglichkeit, sich in verschiedene Kondolenzbücher einzutragen. Diese wurden unter Anderem in der Villa Hammerschmidt in Bonn und im NRW-Landtag in Düsseldorf ausgelegt. Der derzeitige Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel trugen sich am Samstag Vormittag mit als erste in das im Schloss Bellevue in Berlin ausgelegte Kondolenzbuch ein.

Johannes Rau 2003

Aus aller Welt gingen Nachrufe und Trauernoten ein. Der französische Präsident Jacques Chirac erklärte, dass Rau positiven Einfluß auf die Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland gehabt habe. Rau habe „ein modernes, wiedervereintes Deutschland“ verkörpert. Im Namen der US-Regierung sprach Sean McCormack, Sprecher des US-Aussenministeriums: Er sagte, dass Rau ein Vorkämpfer für Menschenrechte gewesen sei und sich positv für die Versöhnung zwischen Ost und West eingesetzt habe. Er lobte ihn als wichtige Stimme des moralischen Gewissens Deutschlands. Der israelische Staatspräsident Mosche Katzav bezeichnete Rau als großen Freund des Staates Israel und des jüdischen Volkes, der viel zu den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel beigetragen habe. Der Tod von Rau, über den er Beileid gegenüber seiner Familie wie dem Deutschen Volk ausdrückte, erfülle Katzav nach Angaben seiner Sprecherin mit Schmerz.

Auch der Schweizer Bundespräsident Moritz Leuenberger lobte die moralischen Werte Raus und würdigte seine Verdienste für Deutschland und Europa sowie seinen Einsatz für religiöse Werte. Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker drückte seine Trauer in einen Schreiben an Christina Rau, Witwe von Johannes Rau, aus. Er schrieb: „Wir alle werden Johannes Rau als einen großen Staatsmann und eine herausragende politische Persönlichkeit in Erinnerung behalten“. Weitere Kondolenzschreiben und Trauernoten gingen unter anderem aus Österreich und Polen ein.

In Deutschland beklagten Vertreter aller Parteien und Organisationen den Tod von Johannes Rau. Bundespräsident Köhler sagte im Schloss Bellevue: „Deutschland hat einen prägenden Politiker, einen großen Bundespräsidenten und einen Mann verloren, der die Welt menschlicher gemacht hat“. Er sei ihm ein Beispiel gewesen. Bundeskanzlerin Merkel sprach davon, dass Deutschland eine außergewöhnliche Persönlichkeit und ein leuchtendes Beispiel im Engagement für Menschenrechte und Demokratie verloren habe. SPD-Chef Matthias Platzeck sagte, die SPD habe einen unersetzlichen Freund verloren und Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach von einem „Präsidenten des Volkes und der Herzen“.

Johannes Rau war am Freitag im Alter von 75 Jahren nach längerer Krankheit in seiner Berliner Wohnung verstorben. Aus gesundheitlichen Gründen hatte Rau bereits am 16. Januar 2006 nicht an den zu seinem 75. Geburtstag angesetzten Feierlichkeiten im Schloss Bellevue teilnehmen können. Auf dieser Feier sollte unter anderem Raus politisches Lebenswerk gewürdigt werden. Rau war 1952 mit dem Eintritt in die damalige Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) erstmals politisch aktiv geworden. Nach deren Auflösung 1957 trat er im Alter von 26 Jahren in die SPD ein und wurde bereits im nächsten Jahr Vorsitzender der Wuppertaler Jungsozialisten.

Weitere Meilensteine in Raus politischem Werdegang sind der Vorsitz der NRW-SPD-Fraktion (ab 1967) und die Zeit als Oberbürgermeister von Wuppertal (1969 bis 1978). Nach seiner Zeit als NRW-Minister für Wissenschaft und Forschung (ab 1970) wurde Rau 1977 SPD-Landeschef und 1978 Ministerpräsident. Auf beiden Positionen verblieb er etwa 20 Jahre. Bereits 1994 wurde Johannes Rau von der SPD als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt, er unterlag aber gegen Roman Herzog. Doch nachdem er 1999 erneut für diese Position nominiert wurde, wurde Rau im zweiten Wahlgang zum Bundespräsidenten gewählt und verblieb für eine Amtszeit (fünf Jahre) in dieser Position, um von Horst Köhler (CDU) abgelöst zu werden.

Kurz vor Ende seiner Amtszeit erregte Rau noch einmal auch international Aufsehen, da er in seiner sogenannten „Berliner Rede 2004“ sehr klare Worte gegen die persönliche Vorteilsnahme von Managern und die allgemeine schlechte Stimmung in Deutschland wählte. So sagte er, dass ihm kein anderes Land bekannt sei, „in dem so viele Verantwortliche und Funktionsträger mit so großer Lust so schlecht, so negativ über das eigene Land sprechen, wie das bei uns in Deutschland geschieht“. Er forderte, dass „Manager in erster Linie an das Unternehmen, seine Anteilseigner und Beschäftigten, denken und nicht an ihre eigenen Abfindungen oder Aktienoptionen“.

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Quellen