Polnischer Präsident bei Flugzeugabsturz gestorben

Veröffentlicht: 13:09, 11. Apr. 2010 (CEST)
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Smolensk (Russland) / Warschau (Polen), 11.04.2010 – Der polnische Präsident Lech Kaczyński (60) ist gestern beim Absturz einer Passagiermaschine vom Typ Tupolew Tu-154M beim Anflug auf die russische Stadt Smolensk ums Leben gekommen. Er befand sich auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich der Ermordung polnischer Soldaten beim Massaker von Katyn vor 70 Jahren. Unter den Toten sind neben der First Lady Maria Kaczyńska auch der Präsident der polnischen Zentralbank, der Generalstabschef der Streitkräfte, die Oberbefehlshaber von Luftwaffe, Heer und Marine und mehrere stellvertretende Minister und Staatssekretäre sowie 14 Abgeordnete des Sejm und drei Mitglieder des Polnischen Senats.

Die Regierungsmaschine war um 7:23 Uhr MESZ in Warschau gestartet und stürzte beim vermutlich vierten Landeversuch gegen 8:56 MESZ in der Nähe von Smolensk ab.
Kartographie: Uwe Dedering

Der ehemalige Präsident Polens Aleksander Kwaśniewski kommentierte den Ort des Unglücks mit den Worten: „Das ist ein verfluchter Ort. 1940 war dort die Elite des Vorkriegspolens ermordet worden, jetzt starb dort die Elite der Dritten Republik.“

Die Gesamtzahl der Toten beläuft sich auf 96 oder 97 Personen, die an Bord der Maschine waren. Unter den Toten sind außer Kaczyński auch Stanisław Komorowski, stellvertretender Verteidigungsminister, Andrzej Kremer, stellvertretender Außenminister, Andrzej Błasik, Tomasz Merta, stellvertretender Kulturminister, Kommandeur der Polnischen Luftstreitkräfte, Tadeusz Buk, Befehlshaber des Heeres, Franciszek Gągor, Chef des Generalstabs, Andrzej Karweta, Oberbefehlshaber der polnischen Marine, Włodzimierz Potasinski, Chef der militärischen Sondereinheiten, die Sentoren Krystyna Bochenek, Janina Fetlińska und Stanisław Zając, Ryszard Kaczorowski, der letzte Staatspräsident der polnischen Exilregierung, Tadeusz Płoski, römisch-katholischer Militärbischof, Miron Chodakowski, Erzbischof der Polnisch-Orthodoxen Kirche in Polen, die Abgeordneten des Sejms Leszek Deptuła, Grzegorz Dolniak, Grażyna Gęsicka, Przemysław Gosiewski, Izabela Jaruga-Nowacka, Sebastian Karpiniuk, Aleksandra Natalli-Świat, Krzysztof Putra, Arkadiusz Rybicki, Jolanta Szymanek-Deresz, Anna Walentynowicz, Zbigniew Wassermann, Wiesław Woda und Edward Wojtas sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens Polens, etwa der Präsident des Polnischen Olympischen Komitees Piotr Nurowski, der Rektor der Kardinal-Stefan-Wyszyński-Universität Ryszard Rumianek, der Schauspieler Janusz Zakrzeński, der Präsident des Verbandes der Opferangehörigen von Katyn Andrzej Sariusz-Skąpski und der Präsident der Nationalbank Sławomir Skrzypek.

Zahlreiche Menschen versammelten sich vor dem Dienstsitz des Präsidenten, um zu trauern

Das Flugzeug ist nach russischen Angaben um 8:56 Uhr MESZ im dichten Nebel mit Baumwipfeln in Berührung gekommen und danach abgestürzt. Beim Aufprall brach die Maschine auseinander und ging in Flammen auf. Zuvor soll der Pilot die Empfehlung des Fluglotsen ignoriert haben, einen alternativen Landeort aufzusuchen. Er habe insgesamt vier fehlgeschlagene Landeanflüge durchgeführt, beim letzten Versuch kam es zur Katastrophe. Laut Informationen der Tagesthemen soll der Flugschreiber inzwischen gefunden worden sein. Der russische Ministerpräsident Putin persönlich leitet die Ermittlungen an der Spitze einer Untersuchungskommission. Das polnische Kabinett kam zu einer Krisensitzung zusammen. Die politische Welt nahm die Nachricht von dem tragischen Unglück mit großer Bestürzung auf.

Kaczyński war seit 2005 polnischer Präsident und vertrat nationale Positionen. Die nächsten Präsidentenwahlen waren für den Herbst dieses Jahres geplant. In Prognosen lag Kaczyński hinter seinem Herausforderer Bronisław Komorowski. Dieser ist derzeit Präsident des Sejms und hat nach Artikel 131 der Verfassung die Aufgaben des Präsidenten übernommen. Er hat 14 Tage Zeit um Neuwahlen für das Präsidentenamt innerhalb von 60 Tagen auszuschreiben.

Es wurde eine siebentägige Staatstrauer angeordnet. Viele Websites in Polen haben als Reaktion auf die Trägödie ihr Aussehen geändert, die meisten sind nur in schwarz-weiß gehalten. Rundfunk und Fernsehen habe ihre Programme geändert und strahlen Sondersendungen aus.

  In der Wikipedia gibt es den weiterführenden Artikel „Flugzeugabsturz bei Smolensk“.

Quellen