Großbritannien: Menschenschmuggel im Schiffscontainer fordert Todesopfer

Veröffentlicht: 19.08.2014, 03:34 (CEST)
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Tilbury (Vereinigtes Königreich), 19.08.2014 – Am Sonnabend, dem 16. August, wurden im Containerbereich des Hafens von Tilbury 34 Menschen lebend aus einem Container befreit. Ein etwa 40 Jahre alter Mann war bereits tot, als der Container geöffnet wurde. Die Gruppe besteht aus Männern und Frauen, deren älteste 72 Jahre alt ist, sowie 13 Kindern im Alter von einem bis zwölf Jahren.

Hafenarbeiter waren auf die Gruppe aufmerksam geworden, als sie Rufe und anderen Lärm aus dem Container hörten. Der Container war Teil einer Ladung, die mit dem P&O Frachtschiff „Norstream“ von Zeebrugge gegen sechs Uhr am Morgen in Tilbury ankam. An Bord des Frachters befanden sich insgesamt 64 Container, dazu noch 72 Sattelauflieger sowie fünf LKW und ihre Fahrer.

Polizei und Rettungskräfte waren, als der Container gegen 7:30 Uhr geöffnet wurde, innerhalb von elf Minuten zur Stelle, und es wurde Großalarm für die umliegenden Krankenhäuser gegeben. Die Überlebenden litten unter Unterkühlung und Flüssigkeitsmangel. Sie wurden alle in Krankenhäuser gebracht, von wo sie – bis auf vier Personen – alle am Sonntag entlassen werden konnten. Die Polizei veranlasste die Untersuchung aller weiteren Container der Schiffsladung, aber es wurden keine weiteren Flüchtlinge entdeckt. Während die Todesumstände des Mannes noch geklärt werden müssen, ist bereits eine Untersuchung wegen Mordverdachts eingeleitet worden. Die Behörden sind zuversichtlich, dass sie mit Hilfe von Videoüberwachungsaufnahmen aus Zeebrugge den für die Anlieferung des Containers verantwortlichen LKW und Fahrer ausfindig machen können.

Menschenschmuggel im Container gilt als sehr ungewöhnliche Methode. Container würden meist für Waffen oder Rauschgiftschmuggel benutzt, sagte ein Angehöriger der britischen Grenzpolizei. Im Jahr 2000 waren im Hafen von Dover 58 tote Chinesen entdeckt worden, die bei dem Versuch, in einem Container nach Großbritannien zu kommen, erstickt waren. Die Flüchtlinge verstecken sich heute meist direkt im LKW. Im Hafen von Dover wurden im letzten veröffentlichten Berichtszeitraum (2012/2013) 915 LKW-Fahrer mit illegalen Passagieren bei der Einreise nach Großbritannien gestoppt. Der Menschenschmuggel von Asien nach Europa verläuft oft mit Hilfe gefälschter Visa über Moskau, von wo es z.B. nach Belgien weitergeht. Die jetzt gefundenen Flüchtlinge sind wahrscheinlich in Brüssel in den Container gestiegen und dann nach Zeebrugge transportiert worden.

Das Heimatland der Flüchtlinge war zunächst unklar. Es schien nur offensichtlich, dass sie vom indischen Subkontinent kamen. Befragungen haben nun ergeben, dass es sich bei den Menschen um Sikhs aus Afghanistan handeln soll. In Afghanistan lebt zurzeit zwar noch eine kleine Zahl von Sikhs, doch ihre Zahl nimmt ständig ab, da sie ständiger Diskriminierung ausgesetzt sind. Deren geringe Zahl hat bereits Fragen laut werden lassen, ob es sich bei dem fraglos der Sikh-Glaubensgemeinschaft angehörigen Menschen wirklich um Afghanen handelt oder ob sie nicht vielmehr etwa aus dem indischen Bundesstaat Punjab kommen, wo sich eines der Zentren des Sikhismus befindet. Die Angabe, sie kämen aus Afghanistan, könnte dazu dienen, ihnen die Einreise zu erleichtern, da sie so als bedrohte Minderheit gelten könnten. Indische Sikhs hingegen hätten keinen Anspruch darauf, als Verfolgte anerkannt zu werden, da sie vollkommen in die indische Gesellschaft integriert sind. Der ehemalige indische Premierminister Manmohan Singh ist beispielsweise ein Sikh. Weitere Befragungen sollen nun die wahre Nationalität der Flüchtlinge klären.


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