Deutsche Meisterschaften der Vielseitigkeitsreiter nach Todesfall annulliert

Veröffentlicht: 21:49, 6. Aug. 2007 (CEST)
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Schenefeld (Deutschland), 06.08.2007 – Die Deutschen Meisterschaften im Vielseitigkeitsreiten, die vom 3. bis 5. August 2007 in Schenefeld geplant waren, wurden am zweiten Turniertag nach einem zweiten Todesfall innerhalb von einer Woche in dieser Reitdisziplin abgebrochen und kurz darauf annulliert. Am Samstag war die ehemalige Mannschaftseuropameisterin Tina Richter-Vietor nach einem Sturz tödlich verunglückt, unweit von Schenefeld war bereits am vergangenen Sonntag Anke Wolf den Folgen eines ähnlichen Unfalls erlegen.

Hindernis im Vielseitigkeitsreiten

In Schenefeld sollte neben den Deutschen Meisterschaften auch eine Drei-Sterne-Kurzprüfung mit internationaler Beteiligung ausgetragen werden. Zudem sollte sich in der Stadt bei Hamburg entscheiden, welche deutschen Starter bei den im September in „Pratoni del Vivaro“ nahe Rom stattfindenden Europameisterschaften um den Titel reiten dürften. Nach dem Tod von Tina Richter-Vietor entschieden sich Reiter und Betreuer, das Turnier ohne Chance auf Wiederaufnahme abzubrechen. Bundestrainer Hans Melzer äußerte sich zum weiteren Vorgehen im Bezug auf die Nominierungen zur Europameisterschaft wie folgt: „Wir haben sechs Reiter nominiert, die in drei Wochen noch eine Motivationsprüfung in Bad Harzburg absolvieren. Mehr ist nicht vorgesehen“.

Bereits am 29. Juli war die Vielseitigkeitsreiterin Anke Wolf bei einer Prüfung in Neu-Wulmstorf verstorben. „Donar“, das Pferd von Wolf, war mit den Vorderhufen an einem Hindernis hängen geblieben, so dass die 40-jährige Reiterin aus Böbs bei Lübeck stürzte. Folgend fiel Donar auf den am Boden liegenden Körper Wolfs, die an den daraus resultierenden Verletzungen trotz Wiederbelebungsmaßnahmen verstarb.

„Ein schrecklicher Unfall. Wir sind alle bestürzt und fassungslos.“, äußerte sich Bundestrainer Melzer zu den Ereignissen des vergangenen Samstag, bei dem Tina Richter-Vietor im Alter von 32 Jahren verstorben war. Sie war mit ihrem Pferd „Paulchen Panther“ am zweiten, eigentlich niedrigen und damit relativ ungefährlichen Hindernis des Parcours gestürzt und trotz der schnellen Hilfe durch Ärzte gestorben. Sowohl Wolf als auch Richter-Vietor konnten jahrelange Erfahrung vorweisen.

Das Vielseitigkeitsreiten, bestehend aus Dressur, Gelände und Springen sowie einer oder zwei Verfassungsprüfungen des Pferdes, steht aufgrund zahlreicher Todesfälle und häufigen Unfällen schon lange in der Kritik. Nachdem es bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000 zahlreiche, zum Teil schwere Unfälle gegeben hatte, wurde der Geländekurs für die Spiele in Athen vier Jahre darauf wesentlich einfacher gestaltet. „Die Entwicklung unserer Sportart war zuletzt positiv“, meinte Hans Melzer. Tatsächlich steigt das große Publikumsinteresse am Vielseitigkeitsreiten weiter an, so konnten Anfang Juli knapp 22.000 Besucher beim CHIO in Aachen gezählt werden.

Quellen