Bohrinsel-Unglück: Großer Ölteppich bedroht die Küste Louisianas

Veröffentlicht: 18:18, 30. Apr. 2010 (CEST)
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New Orleans (Vereinigte Staaten), 30.04.2010 – Gut eine Woche nach der Explosion und dem Sinken der BohrinselDeepwater Horizon“ zeichnete sich zumindest teilweise die Lösung einer Umweltkatastrophe ab, der Optimismus erwies sich jedoch als verfrüht. Experten bestätigten bereits zwei Tage nach dem Sinken der Bohrinsel zwei Lecks in der Tiefsee. Eines ist genau an der Stelle, wo die Bohrinsel ihre Bohrlöcher hatte, ein weiteres wurde an einem Verbindungsrohr durch ein unbemanntes Mini-U-Boot entdeckt. Es wurde unterschiedlichen Medienberichten zufolge ein Austritt von annähernd 140.000 - 190.000 Litern Rohöl pro Tag erwartet. Die eingebaute Sicherungstechnik, welche unter der Bezeichnung „blow-out preventer“ (BOP) das unkontrollierte Austreten von Öl in der Tiefsee in einer Tiefe von 1.500 Metern durch automatisches Verschließen der Bohrlöcher verhindern sollte, hat Medienberichten zufolge kläglich versagt. Es könnte möglicherweise bei der Explosion und dem anschließenden Untergang beschädigt worden sein. Der Verbleib von 700.000 Barrel Dieselkraftstoff für die Bohrinsel, welche vor Ort gelagert worden sind, ist noch immer unklar. Inzwischen steht fest, dass sich ein etwa 4.500 Quadratkilometer großer, jedoch stellenweise nur wenige Zentimeter dicker Ölfilm gebildet hat. Er wurde durch Winde und Meeresströmungen auseinander getrieben. Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Ölteppich aber noch so weit von den Landmassen entfernt, dass es etwa drei Tage bis zum Auftreffen auf die Küsten brauchen würde. Dennoch sind Experten besorgt und haben damit begonnen, den Ölfilm kontrolliert abzufackeln. Dies ist den Experten zufolge aber nur dann Erfolg versprechend, wenn die Dicke des Films größer als fünf Millimeter ist und damit gemäß Expertenmeinung ausreicht, ihn anzuzünden. Dort wo dies nicht gegeben sei, würde das Verfahren von vornherein scheitern. Von der Dicke des Films hängt auch ab, zu wie viel Prozent desselben abgeflämmt und damit zumindest unschädlich gemacht werden könnte. Die wissenschaftlich umstrittene Methode birgt aber auch noch andere Gefahren: Diese sind zum Beispiel das Freisetzen giftigen Rauchs und das Zurückbleiben von verbrannten Ölresten, welche das Meer weiterhin verunreinigen würden. Die US-Behörden haben sich dennoch entschlossen, diesen Schritt zu wagen und starteten ihn am Mittwochabend (MESZ). Doch das Abflämmen des Ölfilms kam zu spät. Behördenangaben zufolge soll aufgrund der Ausdehnung des Ölfilms dieser nicht mehr bekämpfbar sein. Die US-Behörden haben inzwischen das Scheitern sämtlicher Bemühungen eingeräumt. Zudem wurde ein drittes Leck entdeckt, wodurch sich die austretende Menge fast verfünffacht hat und nun auch vom Ölkonzern BP mit 800.000 Litern pro Tag angegeben wird.

Die brennende „Deepwater Horizon“
(21.04.2010, Foto:US-Küstenwache)

Das Schließen der Lecks mittels Spezialgeräten (Tauchrobotern) hätte nach anfangs gemeldeten Behördenangaben zufolge noch Wochen andauern können, ist zwischenzeitlich aber wohl gescheitert. Behindert wurden zeitweise alle Arbeiten zur Sicherung der Unglücksstelle und auch die Aufräum- und Säuberungsarbeiten durch Starkregen und heftige Stürme, so zum Beispiel durch einen Tornado im US-Bundesstaat Louisiana. Sollte der Wind den Ölteppich auf die Küsten Louisianas, Alabamas oder Mississippis zutreiben, stehen gigantische Umweltschäden ins Haus. Dort sind Garnelenzuchtfarmen, Austernbänke und Brutkolonien seltener Meeresvögel, die möglicherweise betroffen werden könnten. Aber auch die Wale, Meeresfauna und Meeresflora sind bedroht.

An beiden Austrittsstellen kommen behelfsweise Entlastungsbohrungen durch ins Unglücksgebiet geschleppte, mobile Ölplattformen in Betracht.

Die Behörden gaben vor wenigen Tagen bekannt, dass die Suche nach den elf vermissten Arbeitern des Konzerns BP eingestellt worden ist. Am Dienstag vor gut einer Woche war die größte Ölplattform der Welt, welche von Transocean Limited betrieben und von BP geleast wurde, zunächst explodiert. In der Folge ist sie am vergangenen Donnerstag brennend gesunken.

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Quellen