Kämpfe im Gazastreifen: Vier israelische Soldaten starben durch „friendly fire“

Veröffentlicht: 15:07, 6. Jan. 2009 (CET)
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Gaza-Stadt (Gazastreifen) / Tel Aviv (Israel), 06.01.2009 – Drei israelische Soldaten der Golani Infanterie-Brigade, einer israelischen Eliteeinheit, wurden Montagnacht im nördlichen Gazastreifen durch den irrtümlichen Beschuss eines israelischen Panzers getötet. Sie hatten in einem Gebäude Stellung bezogen, das von dem Panzer beschossen wurde. Einer der getöteten Soldaten war erst 19 Jahre alt. Zwei weitere Soldaten wurden bei dem Beschuss schwer verletzt, einer schwebt in Lebensgefahr. 20 weitere Soldaten erhielten leichtere Verletzungen. In einem weiteren Vorfall wurde ebenfalls ein israelischer Soldat durch eine Panzergranate getötet. Damit steigt die Zahl der getöteten israelischen Soldaten nach dem dritten Tag der Bodenoffensive gegen die Hamas im Gazastreifen auf fünf.

Die Konfliktzone um den Gazastreifen

Die israelischen Panzer- und Infanterieeinheiten näherten sich im Rahmen der Operation „Cast Lead“ gestern Gaza-Stadt, wo sie von Hamaskämpfern in heftige Straßenkämpfe verwickelt wurden. Dabei sollen nach Angaben von Ärzten im Gazastreifen 18 Palästinenser getötet worden sein. Auch heute dauerte der Häuserkampf in Gaza-Stadt weiter an. Bei einem anderen Schauplatz in der Nähe des zentral gelegenen Ortes Dair al-Balah sollen laut Augenzeugenberichten am Morgen sechs Palästinenser getötet worden sein, darunter vier Hamas-Leute und zwei Angehörige des Islamischen Dschihad. In der vergangenen Nacht waren die Stadt Gaza und der gesamte nördliche Teil des Gazastreifens ohne Strom. Laut Augenzeugenberichten rückten israelische Panzer heute Morgen mit Unterstützung durch Kampfhubschrauber in die Hamas-Hochburg Chan Yunis ein. Chan Yunis ist die zweitgrößte Stadt im Gazastreifen.

Insgesamt beläuft sich die Zahl der getöteten Palästinenser seit dem Beginn der Angriffe der israelischen Armee am 27. Dezember des vergangenen Jahres auf 540. Nach Schätzungen der UNO handelt es sich bei bis zu einem Viertel der Opfer um Zivilisten. Angesichts von bisher 2.500 Verletzten ist das Gesundheitswesen im Gazastreifen völlig überfordert. Hinzu kommt das Fehlen von Elektrizität, so dass die Krankenhäuser auf Notstromaggregate angewiesen sind. Ein Sprecher des Internationalen Roten Kreuzes bezeichnete es als ein Hauptproblem für die Verletzten, zunächst einmal überhaupt in ein Krankenhaus zu gelangen. Wiederholt seien Krankentransporte beschossen worden. Recht zuverlässig funktionierten zeitweise jedoch Transporte in ägyptische Krankenhäuser. Der norwegische Arzt Mads Gilbert, der im Shifa-Hospital im Gazastreifen als Narkosearzt arbeitet, bezeichnete die Zustände in einem Interview am Dienstag als chaotisch: „Wir amputieren am laufenden Band. Die Korridore sind voll mit Verstümmelten.“ Gilbert hatte auf Druck der norwegischen Regierung am Neujahrstag eine Einreiseerlaubnis von Ägypten in den Gazastreifen erhalten.

Die Fähigkeit der Hamas, israelisches Gebiet mit Raketen zu beschießen, ist indes kaum beeinträchtigt. Die israelische Armee gab zwar an, dass in den von ihren Bodentruppen kontrollierten Gebieten keine Raketen mehr abgeschossen würden, dennoch erreichten am Montag erneut 40 Qassam- und Grad-Raketen die israelischen Ortschaften Askalon, Aschdod, Sderot, Kiryat Malakhi in der Nähe von Ofakim, Netiwot und Beerscheba. Berichte über Tote durch diese Raketenangriffe gab es nicht. Mehrere Menschen mussten aber wegen Schocks behandelt werden. Bei einem der Angriffe wurde fast ein Kindergarten getroffen.

Einen Waffenstillstand schließt der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert zum gegenwärtigen Zeitpunkt weiterhin aus. Im UNO-Sicherheitsrat unternehmen arabische Staaten einen weiteren Versuch, eine Resolution zu verabschieden, in der beide kriegführenden Seiten zur Einstellung der Kampfhandlungen aufgefordert werden sollen. Derzeitiger Ratspräsident im Sicherheitsrat ist Frankreich. Französische Diplomaten arbeiteten AFP zufolge mit UN-Vertretern arabischer Staaten gemeinsam an einem Resolutionsentwurf. Der letzte Versuch, im UN-Sicherheitsrat zu einer gemeinsamen Haltung zu kommen, war am 3. Januar des Jahres am Veto der Vereinigten Staaten gescheitert.

Kleine Chronik der Gaza-Krise

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Quellen