Berlin: Nach dem Angriff von vier Jugendlichen liegt ein Opfer im Koma

Veröffentlicht: 18:14, 19. Feb. 2011 (CET)
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Berlin (Deutschland), 19.02.2011 – Es ist Freitag, der 11. Februar 2011, zehn Minuten vor Mitternacht. Zwei Malergesellen sind auf dem Weg von einem Billard-Café nach Hause. Im U-Bahnhof Lichtenberg treffen sie auf vier Jugendliche, drei davon 17 Jahre alt, einer erst 14. Die jungen Burschen, alle mit Migrationshintergrund, greifen die beiden 30-Jährigen an. Der Staatsanwalt wird ihnen später Raubabsicht vorwerfen. Sie schlagen und treten. Ein Mann bleibt bewusstlos am Bahnsteig liegen. Sie nehmen dem Wehrlosen das Handy ab.

U-Bahnhof Lichtenberg

Das Opfer ist lebensgefährlich verletzt und ist bis heute in kritischem Zustand und liegt in künstlichem Koma in einer Klinik. Der zweite Mann konnte auf die Straße flüchten und sich verstecken. Dort entdeckten ihn die Jugendlichen schließlich und schlugen auf ihn ein. Sein Glück war ein 26-jähriger Passant, der an seiner Kutte als Mitglied der berüchtigten Rockergruppe „Bandidos“ zu erkennen war. Angeblich zogen die Jugendlichen ab, als der Rocker eine Machete vorzeigte.

Überwachungskameras im U-Bahnhof zeichneten die schrecklichen Szenen auf. Mit den Aufnahmen gelang es der Polizei, die Täter zu ermitteln. Der 26-jährige Zeuge ist bislang nicht ermittelt. Die Berliner Polizei vermutet, dass dieser, wie in diesen Kreisen üblich, nicht mit der Polizei zusammenarbeiten will.

Passanten am Bahnsteig griffen nicht ein. Angeblich nutzte ein bis dahin Unbeteiligter die Gelegenheit und entwendete die Jacke des Verletzten. Die Polizei ermittelt wegen schweren Diebstahls.

Die jugendlichen Täter, darunter ein Kosovare, ein Bosnier und ein Kenianer, rechtfertigten sich, die beiden Maler sollen „Sieg Heil“ gerufen haben. Die Polizei hält das für eine Schutzbehauptung.

Die Schwester, die um das Leben ihres Bruders bangt, schreibt auf ihrer Facebook-Seite: „Ich bin Krankenschwester und habe viel Schlimmes gesehen, aber der Anblick meines eigenen Bruders war das Schlimmste und Erschreckenste, was ich je erlebt und gesehen habe.“

Der Vater eines der Täter entschuldigte sich, er sagte: „Ich kann nur hoffen, dass der Mann wieder gesund wird und keine bleibenden Schäden erleidet“.

Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, gab bekannt, dass gegen die Schläger Haftbefehl wegen versuchten Raubmordes ergangen sei. Die mutmaßlichen Täter befänden sich in Untersuchungshaft. Als Jugendliche droht ihnen eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren.

Die Tat erinnert an den Mord an dem Geschäftsmann Dominik Brunner in München. Am 12. September 2009 hatte er am S-Bahnhof Sollen Zivilcourage gezeigt und war durch Tritte so schwer verletzt worden, dass er starb.

Am Mittwochabend hatten sich um die 30 Rechtsextremisten in Lichtenberg zu einer unangemeldeten Demonstration zusammengefunden. Sie wollten Kapital daraus schlagen, dass es sich bei den Tätern um Ausländer handelt. Mit Fackeln zogen sie Richtung Tatort. Als die Polizei eintraf, löste sich der Aufzug auf.

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Quellen