Erste Hilfe: Neue Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation

Veröffentlicht: 21:25, 19. Okt. 2010 (CEST)
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Edegem (Belgien), 19.10.2010 – Das European Resuscitation Council (ERC) hat am gestrigen Montag, dem 18. Oktober 2010, neue Leitlinien zur kardiopulmonalen Reanimation (CPR) – auch bekannt unter dem Namen „Herz-Lungen-Wiederbelebung“ – herausgegeben.

Unterschied zu den bisherigen Leitlinien ist, dass bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung im Falle eines Kreislaufstillstands nun der Schwerpunkt auf der Herzdruckmassage liegt und die Mund-zu-Mund-Beatmung in den ersten Minuten zweitrangig ist. Galt bislang die ABC-Regel, also sicherzustellen, dass die Atemwege frei sind (A wie Airway), dann mit der Beatmung zu beginnen (B wie Breathing), zuletzt die Druckmassage (C wie Compression) durchzuführen, sollen Laien künftig mit der Herzdruckmassage beginnen, also in der Reihenfolge CAB. Das Gehirn nimmt nämlich bereits fünf Minuten nach dem Zusammenbruch irreversible Schäden. Außerdem bleibt beim Herzkammerflimmern die Anwendung eines Defibrillators wichtig.

Die neuen Leitlinien bauen auf dem aktuellen internationalen „Consensus on CPR Science with Tetreatment Recommendations“ (CoSTR) auf, in dem die Ergebnisse systematischer Übersichten über zahlreiche Fragen der Reanimation einbezogen wurden. Sie repräsentieren eine weithin akzeptierte Sicht, wie eine Reanimation wirkungsvoll und sicher durchgeführt werden kann, zeigen jedoch nicht den einzig möglichen Weg dazu.

Auch Studien zeigen, dass die neuen Leitlinien sinnvoll sind. So zeigten Michael Hüpfl und seine Kollegen von der Medizinischen Universität Wien in einer Zusammenfassung von drei Studien mit insgesamt 3.700 Patienten mit Herzstillstand, dass es etwa ein Fünftel mehr Überlebende gab, wenn sofort nach dem Notruf von Laienhelfern mit der Herzdruckmassage begonnen und auf die Beatmung zunächst verzichtet wurde. Die zusammenfassende Analyse wurde in der vergangene Woche im Fachjournal „Lancet“ online veröffentlicht.

Wichtig ist jedoch auch, die Druckmassage bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortzusetzen. Die Brust wird dabei in der Mitte des Brustbeins eines Erwachsenen mindestens fünf Zentimeter tief mit einer Frequenz von mindestens 100-mal pro Minute gedrückt. Die Empfehlung der reinen Herzdruckmassage gilt jedoch nur für die ersten Minuten. Dauert es einige Zeit bis zum Eintreffen der professionellen Helfer, so sollte nach Möglichkeit auch bald mit der Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen werden: Nach 30-maligem Drücken folgen jeweils zwei Atemstöße.

Quellen